Die Neue Planwirtschaft

Dieser Beitrag erschien zuerst in denkbar, der Zeitschrift des Forum Alpinum.

Zur Zeit nicht gefragt: Eigenverantwortung

Zur Zeit nicht gefragt: Eigenverantwortung

Als Ayn Rand 1957 den Roman Atlas Shrugged veröffentlichte, war noch nicht abzusehen, dass ihr Buch nach der Bibel den größten Einfluss auf das Leben und Denken der US-Bürger haben würde1. In Europa hingegen ist derjenige, der die Frage „Who is John Galt?” beantworten kann, ein Exot. In Atlas Shrugged zeichnete Ayn Rand das Bild einer Kommandowirtschaft, die versucht, die Fehler der Planwirtschaft zu umschiffen, indem sie die Ausführung ihrer Ziele „freien” Unternehmern aufzwingt.

Die Realität hat die Dystopie inzwischen eingeholt. An zwei Beispielen lässt sich deutlich der Versuch beobachten, den Kapitalismus in ein kommunistisches Korsett zu zwängen: Bankenregulierung und Emissions-„Handel“. In beiden Fällen folgt die Neue Planwirtschaft einem deutlichen Muster. Der Staat2 beschliesst einen Soll-Zustand, der durch unternehmerisches Handeln zu erreichen sei. Bei der Durchführung des Befehls bietet Leviathan gegebenenfalls Hilfestellung. Kurz: Ein kommunistischer Fünfjahresplan mit Zielvorgaben statt Durchführungsbestimmungen.

Kommentatoren, die sich bei ihrer Bewertung der so genannten Bankenkrise3 im Herbst 2008 ihrer Vernunft bedienten, wiesen darauf hin, dass eine von Regierungen, nicht von ungehemmten Kapitalisten, gemachte Blase platzte. Nichtsdestotrotz werden Banken teilweise oder ganz unter Staatskontrolle gestellt, um das jeweils genehme Ziel zu verwirklichen. Dabei haben staatliche Stellen in praktisch jeder der verunglückten Banken ihr Glück versucht und verloren. Das scheint aber nicht Argument genug gegen staatliche Einmischung zu sein.

Auch der Emissionshandel ist nichts weiter als der Versuch einen imaginären Wert über unwissenschaftliche Methoden zu errechnen und in wirtschaftliches Handeln zu injizieren. Aus bereits unsicheren Klimadaten werden unzuverlässige Modelle, aus diesen unzuverlässigen Modellen werden Kostenanalysen für die Zukunft, aus diesen unzuverlässigen Kostenanalysen werden reale Kosten für die Gegenwart. Das soll4 dazu führen, dass künftige Generationen die Klimaeffekte um Nuancen verändert erfahren werden. Mit Sicherheit profitieren heute Bürokraten und Emissions-„Händler“.

Der Kapitalismus ist aber, um eine überstrapazierte Vokabel zu verwenden, ergebnisoffen. Unternehmerisches Handeln ist nicht auf einen zu erstrebenden Endzustand hin planbar. Unvorhergesehene äußere Einflüsse werden auf Dauer auch durch gewiefte Unternehmer5 nicht ausgeglichen werden können. Denn das Ziel steht fest. Im Kapitalismus würde man das Ziel aufgeben und sich auf sinnvollere Dinge konzentrieren. Die Neue Planwirtschaft wird aber unweigerlich vor dem Problem stehen, dass sie zu beweisen hat, dass die Planziele erreichbar seien und die Bürokratie unfehlbar. Wie schon der Kommunismus wird dies in einem hässlichen Todeskampf enden.

„Wo bleibt das Positive?“, mag man sich angesichts dieser Schwarzmalerei fragen. Beispielsweise ist es völlig unvermeidlich, dass jede Planwirtschaft kollabiert. Da darf man unbesorgt sein. Es freilich wäre anmaßend, überhaupt Handlungsempfehlungen abzugeben. Man kann einerseits versuchen, die Neue Planwirtschaft zu bekämpfen oder man kann sie gewähren lassen, sie vielleicht sogar fördern, letztendlich zusehen wie sie vor die Wand fährt und in ihren Trümmern neu beginnen. Zugegebenermaßen sind beide Perspektiven wenig erbaulich.

  1. http://www.englishcompanion.com/Readings/booklists/loclist.html []
  2. Oder schlimmer: eine überstaatliche, unkontrollierte Instanz, die EU []
  3. Warum eigentlich nicht Bankenregulierungskrise []
  4. Wenn die Modelle denn stimmen sollten []
  5. Wenn man das noch Unternehmer nennen kann. []