Pornopolitik – Wenn Politiker ihre willigen Wähler penetrieren

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Im kürzlich auf „Zettels Raum“ veröffentlichten Artikel »Voodoo-Politik. Kinderpornographie, Reichensteuer etc. Statt wirksam zu handeln, werden „Zeichen gesetzt“« charakterisierte der Blogger „Zettel“ Symbolpolitik, die ungeachtet ihrer Wirkung auf wirksame Bilder setzt, als „Voodoo-Politik“. Ich wage es, einen Schritt weiter zu gehen und nenne dieses Phänomen „Pornopolitik“. Zettel schreibt …

[…] auch der jetzt anlaufende Wahlkampf in Deutschland trägt unverkennbar Züge von Voodoo. Mit einem Tamtam wie auf der Bambula werden Handlungen angekündigt, deren Wirksamkeit höchst fragwürdig, deren Symbolwert aber umso größer ist.

… und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Aber nicht nur das Verhältnis der Politik zu ihrer Botschaft ist in ihrem Mystizismus fragwürdig. Das Verhältnis der Politik zum Publikum dieser Botschaft ist ebenso verquer. Es kommt eben nicht auf die konkrete Stillung eines Bedürfnisses an. Im Gegenteil wird diese Stillung ersetzt durch die Zurschaustellung einer Handlung, die das eigentlich Notwendige allenfalls verzerrt darstellt. Wie der Hardcore-Porno zum gewöhnlichen Geschlechtsakt, verhält sich die Pornopolitik zu sinnvollem politischem Handeln. Diese prinzipielle Übereinstimmung bleibt nicht die einzige Parallelen. Das Selbstbild der Politikerkaste stimmt erstaunlich genau  mit dem Stereotyp des aktiven Mannes in üblichen Hardcore-Porno-Streifen1 überein. Die Politiker glauben, dass die Wählerschaft in jedes Loch, jede Ritze ihrer Freiheit vom großen, mächtigen Staatsapparat penetriert und mit klebrigem Gesetzes- und Regulierungsejakulat übergossen werden will. Die Metapher gelangt durch Familienministerin Ursula von der Leyen endgültig zu einer tragischen Ironie, denn…

[…] auch die Union verzichtet keineswegs auf Voodoo- Politik. Ein Beispiel ist die Sperrung des Internet für Kinderpornografie. Man kann, wie zum Beispiel hier nachzulesen, die Sperre leicht umgehen.

Nicht nur die Umgehung der Sperren ist bereits trivial zu bewerkstelligen. Sollten die Sperrlisten des BKA an die interessierte Öffentlichkeit gelangen, fiele potentiellen Konsumenten ein Katalog mit Links zu Kinderpornographie in die Hände. Die Tatsache, dass ebensolche Listen in Norwegen kompromittiert wurden, lässt Schlimmes befürchten. Jede Unsicherheit der Listen schafft wegen der Unwirksamkeit der Sperren einen leichteren Zugang zur Kinderpornographie. Auf dieses Risiko weist der Blogger „Michel“ im Weblog Freiheit und Optimismus hin. In jedem Fall hat die Politik eine Darstellung abgeliefert, die entfernt etwas mit ihrer eigentlichen Aufgabe zu tun zu haben scheint. Letztendlich hinterlässt sie die zuvor bestehende Fehlstelle – häufig genug verschlimmert. Berücksichtigt man die akademischen und beruflichen Qualifikationen der Pornopolitiker, kann man ihnen schlecht unterstellen, sie würden den angerichteten Schaden nicht begreifen. Vielmehr scheinen sie sich willentlich gegen die Vernunft zu vergehen. Wenn das gegenwärtige Politikergebaren Pornographie gleicht, wären sinnvolles politisches Handeln mit dem Telekolleg zu vergleichen. Staubtrocken, seriös und ziemlich langweilig, aber ergebnisorientiert.

  1. Man kann diese Metapher nicht verwenden ohne den Pornographen Unrecht zu tun. []